Burnout als Konsequenz der Übernahme von Verantwortung bei fehlender Beeinflussungsmöglichkeit


Burnout lässt sich auch definieren als Ergebnis des fortgesetzten und konsequenten Versuches, Verantwortung für etwas/mehreres/vieles zu übernehmen, das man nicht oder nur in geringem Maße beeinflussen kann. Dies erscheint mir wichtig, weil eine der wesentlichen Leistungen meiner Coaching-Kundinnen und -Kunden oftmals darin besteht, für sich zu klären, ob sie ein zu bearbeitendes Thema als „Problem“ oder als „Restriktion“ (unlösbare Schwierigkeit, Rahmenbedingung) behandeln (wollen).

Beispiele für möglicherweise von Kudinnen/Kunden nicht bzw. nur in geringem Ausmaß beeinflussbare Themen: der Weltfrieden, die Erdanziehung, die volkswirtschaftliche Entwicklung, das Lebensalter – aber auch, wenn man davon überzeugt ist, dass Menschen/soziale Systeme nicht direkt instruierbar sind – das Klima im Unternehmen, das Verhalten anderer Menschen, die emotionale Befindlichkeit des Vorgesetzten, der Ehrgeiz der Kollegin, usw.

Die Bestimmung des eigenen Einflussbereichs und dessen Grenzen in Bezug auf ein bestimmtes Thema kann eine hilfreiche Burnout-Prophylaxe darstellen Auch das Umkonstruieren eines Problems in eine Restriktion/Rahmenbedingung/unlösbare Schwierigkeit aufgrund fehlender bzw. unzureichender eigener Beeinflussungsmöglichkeiten kann große Entlastung bringen (und zugleich vor Allmachtsphantasien bewahren) und zu neuen Verhaltensoptionen führen.

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Drei pragmatische Grundsätze für hilfreiches Verhalten


Eigentlich wollte ich die drei folgenden Grundsätze zunächst als solche für hilfreiche systemische Interventionen bezeichnen – jetzt hingegen möchte ich Sie Ihnen zudem als Leitlinien für die Reflexion des eigenen Verhaltens anbieten:

Grundsatz Nr. 1: Es gibt keine Probleme, bis solche sozial definiert werden

Was soll denn das nun heißen? Nun, im systemischen Denken gehen wir davon aus, dass es in der menschlichen Lebenswelt zunächst nur „Tatsachen“ gibt. Erst wenn eine solche als Problem sozial definiert wird, kann von einem Problem gesprochen werden – dabei ist es egal, von wem diese Definition stammt. Wir können also sagen, dass ein Problem eine Selbst- und/oder Fremdbeobachtungs- sowie -bewertungsleistung ist, ein Konstrukt, dass eine/n normativ bewertende/n Beobachter/in zwingend zur Voraussetzung hat.

Ein kleines Beispiel gefällig? Nehmen wir einmal an, ein Mitarbeiter macht seine Arbeit über Jahre hinweg gemäß einer bestimmten Routine und erhält dafür positives Feedback von seiner Vorgesetzten. Weit und breit kein Problem zu entdecken. Nach dem Ausscheiden dieser Führungskraft hat sein neuer Vorgesetzter andere Ansprüche an den Mitarbeiter hinsichtlich Flexibilität und Arbeitsauffassung. Es wird eine Soll-Ist-Differenz konstruiert, womit ein Problem sozial definiert wird.

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Das Gewissen als systemisches Gleichgewichtsorgan – Teil 2


Zum 1. Teil des Beitrags

Das Gewissen als Konstruktionsleistung

Diese Regeln und Normen sind nicht objektiv gegeben, es sind vielmehr Konstruktionen, die der/die Einzelne wahrzunehmen meint, die er bzw. sie subjektiv für die Wirklichkeit hält. Für das menschliche Gewissen sind also Normen und Regeln ausschlaggebend, die der/die Einzelne zu seinen bzw. ihren „gemacht“ hat, die er/sie verinnerlicht hat – diese werden sich von etwa geschriebenen „objektiven“ Regeln/Normen unterscheiden, welche demnach nur Umweltanregungen für ihn/sie darstellen. Das autonome System „Mensch“ entscheidet selbst darüber, wie es das Regel-Set konstruiert und die Umweltanregungen unterschiedlicher Umweltsysteme zu einem einzigartigen „Gewissen“ kombiniert.

Die Stärke der Bindung

Wovon hängt die Stärke der Loyalitäts- und Gewissensbindung ab? Als Faktoren können etwa wie folgt identifiziert werden: Der Grad der erlebten Abhängigkeit von dem betreffenden Zugehörigkeitssystem, der Grad der Identifikation mit den Regeln und Normen desselben, das Ausmaß der erlebten Aufwertung durch die Mitgliedschaft zum betreffenden System, die Intensität der Beziehungen zwischen den Systemmitgliedern, die Identifikation mit den System-Zielen, usw.

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Das Gewissen als systemisches Gleichgewichtsorgan – Teil 1


In einem meiner letzten Coachings wurde seitens meines Kunden schon eingangs sein „schlechtes Gewissen“ (keyword) thematisiert. Möglicherweise können die nachstehenden kurzen Ausführungen in Beratungsprozessen hilfreich sein, sei es als offen zu legendes „Metakommunikationsangebot“, sei es, um daraus passgenaue Methoden bzw. „Werkzeuge“ zu entwickeln:

Doppelte systemische Natur

Jeder Mensch zeichnet sich durch eine „doppelte systemische Natur“ aus – einerseits ist er existenziell bezogen auf andere Menschen und verspürt den Drang, Teil einer menschlichen Gemeinschaft zu sein – andererseits lässt er sich als autopoietisches, also sich selbst produzierendes und organisierendes, System beschreiben, dessen innere Organisation nicht unmittelbar an seine Kontextbedingungen gekoppelt ist.

Zwischen Autonomie und Loyalität – die zentrale Aporie

Jeder Mensch befindet sich/oszilliert also prinzipiell ständig in einer Ambivalenzposition/zwischen Autonomie und Loyalität. Dies lässt sich als das zentrale Dilemma der menschlichen Existenz bezeichnen.

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Wünsche und Anregungen willkommen


Sollten Sie bzw. solltest Du Interesse am „systemischen Beleuchten“ eines bestimmten Themas haben, so hinterlassen Sie/hinterlasse mir gerne einen Kommentar mit Ihren/Deinen Anregungen und Wünschen. Ich werde dann nach Möglichkeit einen Beitrag erarbeiten und im Blog zur Verfügung stellen.

Selbstironie


Woran lässt sich ein/e DogmatikerIn erkennen?

Meiner Ansicht nach am fast vollkommenen Fehlen von Selbstironie.

Es wäre begrüßenswert, wenn wir uns nicht so oft so ernst nehmen würden, sondern vielmehr mit einem gütigen Blick ironisch auf unser/e Selbst schauen könnten.

Es könnte dann so spielerisch sein, unser/e jeweiligen/jeweiliges Leben.

Wertschätzung/Geringschätzung


Jemandem „einfach so“ im Moment absichtslos mitzuteilen bzw. zu zeigen, was man an ihr oder ihm schätzt, so etwa könnte Wertschätzung beschrieben werden.

Jemandem etwas möglichst bekömmlich mitzuteilen, das für sie oder ihn schmerzhaft sein könnte, etwa ein kritisches Feedback oder eine schlechte Nachricht – auch so könnte Wertschätzung umschrieben werden.

Jemandem etwas nicht mitzuteilen, was diese oder diese jedoch erfahren sollte, um sich etwa weiterentwickeln oder auf eine schwierige Situation einstellen zu können – dieses Verhalten könnte als geringschätzig bezeichnet werden.

Es verkleidet sich manchmal als Rücksichtnahme („das kann ich ihm nicht zumuten“ oder „ich will ihr nicht wehtun“), hinter dieser Maskierung verstecken sich jedoch oft Unsicherheit bzw. Feigheit.

Suggerierte Mängel


Wichtig ist: Wir sind gut so, wie wir sind. Wir sind keine Mangelwesen, vielmehr haben wir alles mitbekommen, um ein gutes Leben zu leben („Potenzialhypothese“). Wir sollten „nur“ darauf achten, dass wir uns keine Differenz zwischen unserem Ist- und irgendeinem behaupteten Sollzustand suggerieren lassen, denn dann liegt plötzlich und unvermittelt ein (konstruierter) Mangel vor, den wir womöglich mittels Konsum auszugleichen versuchen (was wiederum nicht funktionieren kann). Klingt anstrengend? Ist es auch.

Will Rogers meint dazu: „Zu viele Leute geben Geld, das sie nicht haben, für Dinge aus, die sie nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.“

Der notwendige menschliche Freiraum ist frei von marktwirtschaftlichen Interessen. Wir sind gut so, wie wir sind.

Restriktionen können zu Lösungen führen


Es kommt vor, dass lösbare Probleme erst dann gelöst werden (können), wenn sie als Restriktionen (man könnte auch „unlösbare Schwierigkeiten“ dazu sagen) behandelt werden. Die Lösung liegt dann im Umgang mit dem Problem als Restriktion. Eigenartig eigentlich.

Wachsam ins Gute drehen


Wenn Du in einem bzw. durch einen Alptraum aufwachst, dann wäre es hilfreich, wenn Du diesen im Wachsein – gleichsam wachsam – weiterträumst und zu einem guten Ende drehst.